Finde Ablenkung, die irgendwann ein Ende hat!
In keiner Zeit war mein damaliges WG-Zimmer so sauber, organisiert und aufgeräumt, wie in der Prüfungsphase. Egal welche noch so nervige Hausarbeit, Hauptsache nur nicht an den Schreibtisch. Dabei sind diese Aufgaben auch besonders diabolisch, weil man sich so gut selbst anlügen kann: »Naja, immerhin ist es jetzt mal so richtig sauber.«
Diese Ablenkungen können einem einfacher das Gefühl geben, etwas erreicht zu haben. Unser ADHS-Gehirn nimmt das daraus entstandene Dopamin dankend an und Aufgaben, die eben keine sofortigen Erfolge erzielen, werden ohne Umwege in den gedanklichen Schredder geworfen. Ablenkung ist an sich jedoch nicht zu verteufeln. Es ist nur das »Default ADHS Setup«, das bearbeitet werden muss. Mit ADHS gibt es oftmals nur »Alles« oder »Nichts«. Das bedeutet: Keine Ablenkung und gefrustet sein, weil man sich ja doch nicht konzentrieren kann oder nur Ablenkung, dafür aber mit schlechtem Gewissen, weil man eigentlich lernen sollte. Eine Balance zwischen gesundem Arbeitspensum und gesunder Ablenkung, um den Kopf freizubekommen, kann sehr schwerfallen.
Muss man das also hinnehmen? Nope. Mir hat es immer geholfen, Hobbys oder Ablenkungen nachzugehen, die ein natürliches Ende haben. Anstatt also Online-Games zu spielen, die man 24 Stunden ohne Pause zocken kann, habe ich eine Mütze gehäkelt. Das hat mir auch viel Zeit geklaut, aber erstens hatte ich einen sichtbaren Erfolg und zweitens keine kalten Ohren mehr.