Kann man zu viel Sport machen?
Unabhängig vom Lebensbereich kann jede Form eines Extrems kontraproduktiv sein und ins Negative kippen. Somit gilt dies auch für die Bereiche Sport und Training. Um zu verstehen, was ich damit meine, möchte ich dir mehr über das Thema Stresskapazität erzählen.
Jeder Mensch hat eine individuelle Kapazität an Stress, die sie oder er vertragen kann. Dabei spreche ich weniger von der physiologischen Leistungsfähigkeit im Sinne von muskulärer oder kardiovaskulärer Arbeit (Ausdauer), sondern eher von der Belastbarkeit des vegetativen Nervensystems. Das vegetative Nervensystem (VNS) ist ein System in unserem Körper, das für alle Prozesse und Abläufe, die im Hintergrund stattfinden, verantwortlich ist. Wir können dieses nicht oder nur kaum aktiv beeinflussen. Dabei wird das VNS in einen Systemerreger und einen Systemberuhiger unterteilt. Wie der Name schon sagt, aktiviert der Erreger unseren Körper, um gewissen Leistungen zu fördern und/oder grundsätzlich möglich zu machen. Morgens früh, wenn wir aufstehen ist es gut, dass sich der Erreger aktiviert. Er lässt uns morgens in Schwung kommen, sorgt dafür, dass wir uns konzentrieren können und unseren täglichen To-Do's bestmöglich nachgehen können. Am Abend, wenn wir uns entspannen und uns systemisch auf die Nacht vorbereiten wollen, wird der Beruhiger aktiv. Er fährt unser System langsam runter und sorgt dafür, dass wir gut ein- und durchschlafen können. In der Nacht reguliert er unsere Regenerationsprozesse und sorgt dafür, dass wir am nächsten Morgen, wenn der Erreger wieder aktiv wird, mit vollgeladenen Akkus in den Tag starten können. Dieses Zusammenspiel ist extrem wichtig für deine kontinuierliche Leistungsfähigkeit und ein allgemeines Wohlbefinden im Alltag.
Je intensiver wir Stress auf unser System applizieren, desto länger bleibt der Erreger aktiv. Das ist auch grundsätzliche okay und gibt uns die Möglichkeit, auch in sehr stressigen Phasen, wie beispielsweise einer Klausurenphase, über längere Zeit produktive Leistungen zu erbringen. Wichtig ist nur, dass irgendwann eine Phase kommt, in der wir unserem System auch wieder Ruhe und Entspannung gönnen.
In unserem Alltag können unterschiedliche Situationen dazu führen, dass wir uns gestresst fühlen. Stress kann die anstehende Klausur sein, emotionaler Stress im Sinne von zwischenmenschlichen oder familiären Problemen, ungelösten Traumen, regelmäßiger Schlafentzug oder ein sehr unregelmäßiger Schlafrhythmus. Alkohol, Kaffee und Drogen sind Stress, ebenso Lebensmittel, die unseren Blutzucker regelmäßigen großen Schwankungen aussetzen. Du siehst, die Liste an potenziellen Stressoren ist ziemlich lang. Und jetzt kommt die große Überraschung: Sogar unser heiß geliebtes Training im Fitnessstudio oder Sport im Allgemein kann zu einem Stressor werden der negative Auswirkungen für unser VNS haben kann.