Neuer Alltag – neue Strategien!
Bis zu meinem vorletzten Semester hatte ich mich kaum mit dem Thema »Studieren mit Kind« auseinandergesetzt. Ich kannte niemanden in meinem Umfeld, der während des Studiums schwanger war oder ein Kind hatte. Obwohl ich immer den Wunsch hatte, früh Mutter zu werden, plante ich mein erstes Kind erst nach dem Abschluss. Doch das Leben hatte andere Pläne:Ich wurde ungeplant schwanger. Ungeplant bedeutete jedoch nicht ungewollt und auch rückblickend bereue ich keine Sekunde von meinem Studium mit Baby. Ein Kind zu bekommen, verändert natürlich alles – auch den Studienalltag. Zeit, Energie und Fokus sind plötzlich extrem begrenzt. Während Kommiliton/innen noch gemeinsam pauken, verbringst du deine Nächte mit Stillen, Einschlafbegleitung und Gute-Nacht-Geschichten. Die meisten Hochschulstrukturen sind kaum auf junge Eltern ausgerichtet. Und oft fehlen Vorbilder oder Austauschmöglichkeiten, was das Gefühl verstärken kann, allein zu sein.
Nach der Geburt meiner Tochter war für mich die größte Herausforderung, nicht mehr sechs bis acht Stunden am Stück lernen zu können. Meine bisherigen Lerngewohnheiten waren im Alltag mit Baby einfach nicht mehr in gewohnter Form umsetzbar. Also lernte ich, die kurzen Zeitfenster maximal effektiv zu nutzen – und meine alte Lerndisziplin durch neue Strategien zu ersetzen. Ich fokussierte mich auf aktive Lernstrategien und arbeitete mit einem Timer, um ein besseres Zeitgefühl zu bekommen. Wiederholungen vor dem Schlafengehen und kurz nach dem Aufwachen wurden zu meiner neuen Routine.
Neben der begrenzten Zeit fürs Lernen machten mir natürlich auch Schlafmangel und körperliche Erschöpfung zu schaffen. Abends wollte ich oft einfach nur abschalten oder gedankenlos durch soziale Medien scrollen. Was mich aber in solchen Phasen weitertrieb, war das Zitat: »You didn't come this far to only come this far.« Ich konnte nicht aufgeben – nicht jetzt, nicht wegen meiner Tochter. Viele Mütter durchleben in den ersten Jahren nach der Geburt ihres Kindes eine Identitätskrise und sind ständig dem gleichen Alltagsablauf ausgesetzt. Für mich war Lernen eine Abwechslung vom Mama-Sein und eine Möglichkeit, mich selbst zu verwirklichen. Ich bin mehr als nur Mutter und möchte ein Vorbild für meine Kinder sein. Meine Tochter gab mir die Stärke, besonders in schweren Zeiten durchzuhalten.