Junge Menschen sitzen an einem Tisch in einer Reihe, ein Mann beugt sich über den ComputerJunge Menschen sitzen an einem Tisch in einer Reihe, ein Mann beugt sich über den Computer
 

Dozierende um Unterstützung bitten?

Um Hilfe zu fragen, ist das Mutigste, was du tun kannst!

Das Studium ist eine anstrengende und herausfordernde Zeit. Wenn dann auch noch Lebensumstände dazu kommen, die das eigene Studium erschweren, wird es besonders steinig. Das bedeutet aber nicht, dass du da allein durchmusst. Egal ob Fristverlängerungen, Fragen rund um Prüfungen, Lernschwierigkeiten oder belastende Lebensumstände: Bei Schwierigkeiten, Fragezeichen und Problemen rund um dein Studium können Dozierende eine mögliche und auch wichtige Anlaufstelle für dich sein. Grundsätzlich würde ich dir immer empfehlen, das offene Gespräch mit deiner dozierenden Person zu suchen. Dozierende sind nicht nur Expert/innen in ihren Fachgebieten, sondern in der Regel auch an dem Wohlbefinden ihrer Studierenden interessiert und haben oft einen sehr guten Überblick über die eigene Hochschule. Das bedeutet, dass sie entweder gleich einen Rat für dich haben oder wissen, wohin du dich wenden kannst. Ich weiß, wie schwierig es sein kann, erst einmal um ein Gespräch oder einen Termin zu bitten. Nicht alle Dozierende wirken nahbar und verständnisvoll und der Erfolg eines Gespräches hängt maßgeblich davon ab, wie sensibilisiert die dozierende Person ist. Damit du dich leichter tust, ins Gespräch zu kommen, leake ich in diesem Beitrag meine besten Tipps und Tricks für Gespräche mit deinen Dozierenden!

Ab wann sollte ich Dozierende um einen Termin bitten?

So früh wie möglich. Sobald du merkst »Oh man, ich glaube, ich komm hier nicht weiter«, bitte um ein Gespräch. Mir ist als Dozentin die Rechtzeitigkeit sehr wichtig.

Je früher Studierende auf mich zukommen, umso mehr Unterstützungsmöglichkeiten kann ich anbieten.

Auf diese Weise können wir gemeinsam nach Lösungen, wie zum Beispiel der Beantragung von Nachteilsausgleichen, suchen. Schwierig wird es dann, wenn die Deadline für die Hausarbeit bereits abgelaufen ist oder die Prüfungsphase unmittelbar bevorsteht. Das macht es schwieriger, gute Lösungen zu finden. Daher: Versuche dich bitte so früh wie möglich zu melden. In meiner täglichen Arbeit mit Studierenden gibt es mir auch ein gutes Gefühl, wenn ich frühzeitig helfen und Lösungen finden kann – immerhin ist das mein Job und dafür werde ich bezahlt.

Wie kann ich mich auf das Gespräch vorbereiten?

Beim Gedanken an das Gespräch kommt Angst in dir auf? Ganz ehrlich: Das ist völlig normal und vielen Studierenden geht es so. Du bist damit nicht allein. Checke am besten vorher aus, welche Erfahrungen andere Studierende mit der dozierenden Person gemacht haben. War die Dozentin oder der Dozent vertrauensvoll? Wurden Probleme ernst genommen und Lösungen besprochen?

Um dich im Gespräch sicherer fühlen zu können, können dir Notizen helfen, die du im Vorfeld aufgeschrieben hast. Auch der Austausch mit Freund/innen zur Vorbereitung auf das Gespräch kann dir ein sichereres Gefühl geben. Ich schätze es im Übrigen immer sehr, wenn mir Studierende im Vorfeld mitteilen, dass sie diese Mail gerade viel Mut gekostet hat. Das ist für mich als Dozentin ein wichtiges Zeichen, besonders sensibel im Gespräch vorzugehen. Zudem musst du nicht allein im Gespräch sein, wenn du dich dabei nicht wohlfühlst. Nimm eine Person mit, der du vertraust und die dir ein gutes Gefühl gibt. Damit deine Dozentin oder dein Dozent nicht überrascht ist, empfehle ich dir, vorher mitzuteilen, dass du jemanden mitnehmen möchtest. Transparenz tut beiden Seiten immer gut.

Mein/e Dozent/in gibt mir kein gutes Gefühl – wohin kann ich mich noch wenden?

Ja, leider bestehen nicht alle Dozierende den Vibe-Check. In diesem Fall empfehle ich dir, dich an eine andere Vertrauensperson an deiner Hochschule zu wenden. Vielleicht kennst du andere Lehrende, bei denen du schon einmal gute Erfahrungen gemacht hast. Außerdem bieten Hochschulen zusätzliche, vertrauensvolle Stellen an. Eine kurze Online-Suche auf der Website lohnt sich und du wirst überrascht sein, welche Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen:

  • Die Fachschaft deines Studiengangs nimmt die studentische Perspektive ein und kann dir hilfreiche Tipps anbieten.
  • Die zentrale Studienberatung deiner Hochschule oder deines Studiengangs kennt viele Stolpersteine von Studierenden und kann gezielt Lösungen anbieten.
  • Die psychologische Beratungsstelle deiner Hochschule bietet Unterstützung bei belastenden Erfahrungen, emotionalen Herausforderungen oder Konflikten.

Um Hilfe zu fragen, ist das Mutigste, was du tun kann!

Ein Punkt ist mir noch ganz besonders wichtig: Es kann auch strukturelle Gründe haben, warum Dozierende unterschiedlich viel Support geben (können). Viele deiner Seminarleiter/innen (außer die Professor/innen) sind sehr wahrscheinlich befristet angestellt und hangeln sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag. Da kann es leider vorkommen, dass sie die Dringlichkeit oder Relevanz deines Anliegens unterschätzen, weil sie vielleicht gerade all ihre Zeit darauf verwenden müssen, sich die nächste Vertragsverlängerung zu erarbeiten. Oft hängt davon nämlich ab, ob man im nächsten Monat noch die Miete bezahlen kann.

Keine ideale Situation, aber bedauerlicherweise häufig Realität und das macht es für dich vielleicht ein wenig nachvollziehbar, warum deine Dozierenden unterschiedlich viel Support geben (können). Lass dich in so einem Fall nicht entmutigen. Dein Anliegen ist wichtig und verdient es, gehört zu werden. Versuche deiner Lehrperson in so einem Fall nochmal die Dringlichkeit deines Anliegens mitzuteilen oder wende dich an eine andere Stelle. Du schaffst das!

@FrauForschung
Lisa Niendorf

M. Ed. Lisa Niendorf hat Erziehungswissenschaften und Soziologie an Universität Potsdam studiert und ist als Dozentin in der Lehrkräftebildung tätig (HU-Berlin).

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