Junger Mann schaut traurig aus dem Fenster.

Cybermobbing im Studium

10.09.2026
4 Minuten
Social Stuff

Mobbing im Studium kann viele Formen annehmen und sehr belastend sein. Erfahre, woran du Cybermobbing erkennst, was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist und wie du andere unterstützen kannst.

 

Jana Scheible-Khedekar hat Psychologie (B.Sc.) und Soziologie (M.Sc.) studiert. Sie leitet Workshops und schreibt zu mentaler und emotionaler Gesundheit. Ihr besonderes Interesse gilt der Verbindung von Körper und Geist, was sie auch in ihrer Tätigkeit als körperorientierte Coach und Yogalehrerin weitergibt. Ihr besonderes Anliegen ist es, mehr Verbindung zu uns selbst und zu den Menschen um uns herum zu bewirken. Ihre Lieblingsachtsamkeitsübung ist die 5-4-3-2-1-Methode, bei der man in abnehmender Reihenfolge 5-4-3-2-1 Dinge benennt, die man sehen, fühlen, hören, riechen und schmecken kann. Am liebsten macht sie die Übung bei einem Spaziergang in der Natur oder auch einfach mal zwischendurch.

Warum Mobbing uns alle angeht – und was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist oder es bei anderen beobachtest

Hasskommentare, Bloßstellen in Gruppenarbeiten, absichtliches Ausgrenzen aus Studienchats – Cybermobbing im Studium kann verschiedene Gesichter haben. Vielleicht hast du so etwas selbst schon erlebt oder mitbekommen, wie jemand anderes schikaniert wurde. Vielleicht bist du dir aber auch nicht ganz sicher: Wo hört ein Witz auf und wo fängt Mobbing an? Hier erfährst du, wie du Cybermobbing erkennst und was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist oder es in deinem Umfeld beobachtest.

Was ist Cybermobbing überhaupt?

Cybermobbing, auch Cyberbullying genannt, ist eine Form digitaler Gewalt, bei der Menschen über digitale Medien wiederholt und gezielt schikaniert, bloßgestellt oder ausgegrenzt werden. Typisch ist dabei ein Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten – etwa weil mehrere Personen gegen eine einzelne vorgehen oder weil die Angriffe anonym erfolgen. Dieses Online-Mobbing kann ganz unterschiedlich aussehen: beleidigende Nachrichten, abwertende Kommentare im Studienchat, ein peinliches Foto, das ungefragt geteilt wird, oder der wiederholte Ausschluss aus einer Gruppe. 

In der Forschung werden häufig drei Kriterien für (Cyber-)Mobbing genannt: Wiederholung, Schädigungsabsicht und Machtasymmetrie.1 Ein einzelner verletzender Kommentar gilt daher noch nicht unbedingt als Cybermobbing. Wiederholen sich solche Angriffe und zielen darauf ab, eine Person herabzusetzen oder auszugrenzen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Eine Besonderheit im digitalen Raum: Im Netz können sich auch einzelne Angriffe schnell verbreiten und eine große Belastung darstellen. 

Woran erkenne ich Cybermobbing?

Manchmal ist es gar nicht so leicht einzuschätzen: Ist das einfach daneben – oder steckt mehr dahinter? Der erste Schritt ist, Cybermobbing zu erkennen und ernst zu nehmen. Wenn du dir unsicher bist, können dir diese Fragen Orientierung geben:

  • Würde ich wollen, dass so über eine Person gesprochen wird? 
  • Wird eine Person gezielt bloßgestellt? 
  • Wiederholt sich das Verhalten? 
  • Wird jemand ausgeschlossen oder isoliert? 
  • Fühlt sich die betroffene Person verletzt oder machtlos?

Warum Cybermobbing so belastend sein kann

Im Vergleich zu Mobbing im direkten persönlichen Kontakt kann Cybermobbing besonders belastend sein: Beiträge können sich im Netz sehr schnell verbreiten, die Angriffe können anonym erfolgen und durch Smartphone und Internet fehlen oft sichere Rückzugsräume.
Das kann sich auch auf die mentale Gesundheit auswirken. Cybermobbing steht unter anderem mit Stress, Ängsten, depressiven Symptomen und einem geringeren Selbstwertgefühl in Zusammenhang. Manche Betroffene berichten auch von Einschränkungen ihrer Konzentration im Studium.2 Wenn du solche Symptome bei dir beobachtest, kann es helfen, mit jemandem darüber zu sprechen.

Warum Cybermobbing uns alle angeht

Mobbing findet oft im Gruppenkontext statt und auch wenn wir uns nicht aktiv beteiligen, kann unser Verhalten das Geschehen beeinflussen. Vielleicht denkst du in so einem Moment: Soll ich mich einmischen oder mache ich damit alles nur schlimmer? Das ist nicht immer leicht einzuschätzen. Aber auch Schweigen kann den Angreifenden signalisieren, dass niemand widerspricht und bei Betroffenen das Gefühl verstärken, allein zu sein. Gerade Beobachtende können deshalb einen wichtigen Unterschied machen. 

Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie groß ihr Einfluss als Beobachtende sein kann. Schon kleine Signale der Unterstützung können der betroffenen Person zeigen: Du bist nicht allein. Wir alle können dazu beitragen, dass digitale Räume respektvoll sind.

Wie du andere unterstützen kannst, wenn du Cybermobbing beobachtest:

  • Die betroffene Person direkt unterstützen und nachfragen, wie es ihr geht
  • Problematische Inhalte nicht weiterverbreiten
  • Hasskommentare melden
  • Verletzenden Kommentaren widersprechen und Grenzen setzen
  • Hilfe holen

Was du tun kannst, wenn du selbst betroffen bist

Vielleicht fällt es dir schwer, jemandem davon zu erzählen – oder du fragst dich: Ist das überhaupt schlimm genug, um mir Hilfe zu holen? Du musst nicht warten, bis es schlimmer wird, und das Erlebte auch nicht allein tragen. Sprich mit einer Vertrauensperson darüber. Viele Hochschulen bieten Beratungsstellen an und auch online gibt es Angebote für Menschen, die digitale Gewalt erleben. Außerdem kann es hilfreich sein, Nachrichten und Screenshots zu sichern sowie die Melde- und Blockierfunktionen sozialer Netzwerke zu nutzen.

Cybermobbing ist nicht immer sofort klar zu erkennen. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen, statt wegzusehen. Gerade Beobachtende unterschätzen oft ihren Einfluss. Eine kurze Nachricht an die betroffene Person, das Melden von Hasskommentaren oder das Hinzuziehen von Unterstützung können einen großen Unterschied machen. Sie setzen ein Zeichen und zeigen der betroffenen Person: Du bist nicht allein. So können wir alle dazu beitragen, digitale Räume respektvoll und wertschätzend zu gestalten.

Du hast ein Problem, das mit Cybermobbing zu tun hat, oder kennst jemanden, der eines hat und kompetente Unterstützung gut gebrauchen könnte?

Hier findest du eine Übersicht über Hilfs- und Informationsangebote

Schau einfach, welches Angebot dich am meisten anspricht. Und dann heißt es: nicht lange zögern und grübeln! Diese Angebote sind dazu da, genutzt zu werden! Und sie helfen wirklich. 


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1 Knauf, R.-K. (2022): „Bullying im Klassenverband – doch nicht nur in der Schule. Eine Charakterisierung der Rollen bei Schul- und Cyberbullying“. Springer: Wiesbaden.

2 Vgl. Arif A., Qadir M. A., Martins R. S. & Khuwaja H. M. A. (2024): „The impact of cyberbullying on mental health outcomes amongst university students: A systematic review“. PLOS Mental Health 1(6), doi.org/10.1371/journal.pmen.0000166.

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