Wenn aus einem kleinen Fehler plötzlich ein Urteil über dich wird
Du kommst gerade aus einer Klausur oder hältst ein Referat. Noch bevor die Note feststeht oder jemand anderes etwas sagt, meldet sich schon diese Stimme im Kopf: »Warum hast du das denn so gesagt?« »Das war peinlich« »Typisch, du kriegst es wieder nicht hin.« Manchmal reichen ein paar Sekunden und aus einem kleinen Fehler wird plötzlich ein Urteil über dich als ganzen Menschen.
Diese selbstkritische Stimme kennen fast alle. Oft wird sie auch als „innerer Kritiker« bezeichnet. Doch sie ist nicht einfach nur gemein. Tatsächlich hatte sie ursprünglich eine wichtige Aufgabe: Sie wollte dich beschützen. Schon sehr jung lernen die meisten, dass Fehler unangenehme Konsequenzen haben können – etwa Kritik, Ablehnung oder Misserfolg. Wer Fehler vermeidet, erlebt häufig eher Anerkennung und Erfolg. Das ist grundsätzlich ein sinnvoller Mechanismus.
Problematisch wird es, wenn aus dieser sinnvollen Strategie eine Gewohnheit wird. Dann geht es plötzlich nicht mehr nur um einen Fehler, sondern um immer, nie, alles oder nichts. Aus »Die Präsentation hätte besser laufen können« wird »Ich bin schlecht in Präsentationen.« Aus einem einzelnen Moment wird ein Urteil über dich als Person, obwohl es in vielen Situationen gar nicht die eine richtige oder falsche Lösung gibt. Nach einer Weile schlägt die selbstkritische Stimme auch Alarm, obwohl gar keine echte Gefahr besteht. Statt dich zu unterstützen, setzt sie dich zusätzlich unter Druck.