




Wer kennt es nicht: Du kommst nach einem stressigen Uni-Tag nach Hause, machst dir eine Kleinigkeit zu essen und möchtest fünf Minuten auf Social Media entspannen, bevor es an die nächste Runde Uni geht. Nach einer Stunde schaust du auf die Uhr und merkst, dass du irgendwo zwischen Reels über ausgesetzte Hundebabys und Bildern von Umweltkatastrophen versackt bist. Dieses Phänomen nennt man Doomscrolling. Warum sich das Social Media Loophole negativ auf deine mentale Gesundheit auswirken kann und wie du ihm entkommst, erfährst du in diesem Blogbeitrag.
Das Wort Doomscrolling setzt sich aus den englischen Wörtern „doom“ (Verderben oder Untergang) und „scrollen“ zusammen. Obwohl uns auf Social Media viele negative Nachrichten und Videos entgegenflattern, können wir den Blick oft nicht davon abwenden und bleiben am Handy hängen.1 Vor allem in der Corona Pandemie 2020 wurde das Phänomen des Doomscrollings besonders sichtbar.2
Doch warum neigen wir dazu, ausgerechnet die schlechten Nachrichten anzuklicken – obwohl wir uns eigentlich auf das Positive konzentrieren wollten? Eine mögliche Erklärung liefern evolutionspsychologische Ansätze: Menschen richten ihre Aufmerksamkeit oft stärker auf potenzielle Gefahren, da dies in der Steinzeit hilfreich war, um das Überleben zu sichern. Dieses Muster könnte bis heute nachwirken und dazu beitragen, dass wir eher auf Schlagzeilen über Krisen, Skandale oder nicht gerettete Hundewelpen klicken als auf friedliche Sonnenuntergänge am Meer.3
Was kurzfristig wie ein harmloser Zeitvertreib wirkt, kann langfristig belastend werden. Wer sich ständig durch negative Nachrichten, Katastrophenmeldungen und problematische Inhalte scrollt, setzt sich unbewusst einem Dauerstress aus. Unser Gehirn verarbeitet diese Informationen emotional – selbst wenn wir passiv konsumieren. Studien deuten darauf hin, dass dies zu Gefühlen von Ohnmacht, Überforderung oder Angst führen kann. Auf Dauer kann dieser mediale Overload auch zu innerer Unruhe und schlechter Stimmung beitragen.4
Auch dein Schlafverhalten kann unter dem Phänomen leiden. Wer direkt vor dem Einschlafen noch durch Social Media scrollt, bringt das Gehirn in den Aktivmodus, statt zur Ruhe zu kommen. Gleichzeitig regen die vielen Eindrücke und Informationen zum weiteren Nachdenken an: Die Eindrücke der schlechten Nachrichten müssen vom Gehirn erst noch verarbeitet werden und können uns so am Einschlafen hindern.5 Auf Dauer kann das zu Einschlafproblemen, unruhigem Schlaf und chronischer Erschöpfung führen. Besonders für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen kann dies eine zusätzliche Belastung darstellen.6
Wähle gezielt hochwertige und ausgewogene Informationsquellen. Vermeide emotionale Clickbait-Inhalte und folge auf Social Media nur Accounts, die dir wirklich guttun.7
Schalte Benachrichtigungen aus und reduziere Reize. Sortiere deine Timeline aus und entfolge Profilen, die dich stressen oder mit negativen Nachrichten überfluten.
Plane feste Zeitfenster für den Konsum von Nachrichten ein – zum Beispiel morgens nach dem Frühstück und abends eine Stunde vorm Schlafengehen. Nutze ggf. einen Timer, um dich nicht zu verlieren.
Verbanne Smartphone & Co. aus dem Schlafzimmer. Auf Bildschirme vor dem Einschlafen zu verzichten, kann helfen, Grübelschleifen zu vermeiden und besser zu schlafen. Hier findest du Inspirationen für eine achtsame Abendroutine.
Statt Doomscrolling: Suche aktiv nach positiven Inhalten, die dich inspirieren oder zum Lächeln bringen. Wenn dir Social Media insgesamt zu viel wird, kann ein Digital Detox helfen – für ein paar Stunden, Tage oder gezielt einzelne Apps pausieren.
Doomscrolling passiert uns allen mal, vor allem in stressigen Phasen. Wichtig ist, dass wir es erkennen und bewusst gegensteuern können. Denn dein Handy sollte dir nicht deine Stimmung diktieren – bestimme lieber selbst, was du sehen willst.
1 Meaning of Doomscrolling in English in: dictionary.cambridge.org/dictionary/english/doomscrolling Stand [20.05.2026]
2 Victor Rodrigues, Elizabeth. “Doomscrolling – Threat to Mental Health and Well-Being: A Review”. International Journal of Nursing Research, vol. 8, no. 4, July 2023, pp. 127-30, doi:10.31690/ijnr.2022.v08i04.002. Stand [20.05.2026]
3 BARMER Redaktion: „Zukunftsängsten entgegenwirken, Doomscrolling stoppen – wie man sich nicht in schlechten Nachrichten verliert“ unter www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/psychische-gesundheit/doomscrolling-1072302 Stand [20.05.2026]
4 Reza Shabahang, Hyeyeon Hwang, Emma F. Thomas, Mara S. Aruguete, Lynn E. McCutcheon, Gábor Orosz, Abbas Ali Hossein Khanzadeh, Benyamin Mokhtari Chirani, Ágnes Zsila. Doomscrolling evokes existential anxiety and fosters pessimism about human nature? Evidence from Iran and the United States, Computers in Human Behavior Reports, Volume 15, 2024,100438, ISSN 2451-9588, doi.org/10.1016/j.chbr.2024.100438.
5 Victor Rodrigues, Elizabeth. “Doomscrolling – Threat to Mental Health and Well-Being: A Review”. International Journal of Nursing Research, vol. 8, no. 4, July 2023, pp. 127-30, doi:10.31690/ijnr.2022.v08i04.002. Stand [20.05.2026]
6 BARMER Redaktion: „Zukunftsängsten entgegenwirken, Doomscrolling stoppen – wie man sich nicht in schlechten Nachrichten verliert“ unter www.barmer.de/gesundheit-verstehen/psyche/psychische-gesundheit/doomscrolling-1072302 Stand [20.05.2026]
7 Kunz, F. (2024): „Übungsplatz: Bewusste Vermeidung“ in Psychologie Heute unter www.psychologie-heute.de/leben/artikel-detailansicht/43432-uebungsplatz-bewusste-vermeidung.html Stand [20.05.2026]