Woher kommt der Post-Grad-Blues?
Das Studium verbindet gleich mehrere Dinge, die uns psychisch Halt geben können: Es schafft Struktur, bietet soziale Zugehörigkeit, stiftet Identität und lässt gleichzeitig relativ viel Autonomie zu. Vorlesungen und Seminare strukturieren zumindest teilweise deinen Alltag; wenn du gefragt wirst, was du machst, kannst du einfach sagen: »Ich studiere«; und trotz aller Unsicherheiten weißt du ungefähr, welche nächsten Schritte vor dir liegen.
Nach dem Abschluss verändert sich vieles davon gleichzeitig. Plötzlich musst du entscheiden, wo und wie du leben möchtest, einen Job suchen, dich in einer neuen Rolle zurechtfinden, vielleicht umziehen und mit finanzieller oder beruflicher Unsicherheit umgehen. In der Forschung wird dieser Übergang deshalb auch als eine Art Zwischenphase beschrieben, in der die alte Identität nicht mehr richtig trägt, während sich die neue erst noch entwickeln muss.3,4
Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur sogenannten University-to-Work Transition zeigt, dass insbesondere wirtschaftliche Unsicherheit und fehlende soziale Unterstützung mit einer stärkeren psychischen Belastung während dieser Phase zusammenhängen. Gleichzeitig können eine gute Vorbereitung auf den Beruf und eine als positiv erlebte berufliche Situation schützen.1
Insofern hängt der Post-Grad-Blues in Teilen auch von den Bedingungen ab, unter denen der Berufseinstieg stattfindet. Gerade für frische Absolvent/innen kann die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich belastend sein. Master-Absolvent/innen suchen beispielsweise im Durchschnitt aktuell etwa vier Monate nach einer ersten Stelle.5