Mann liegt im Bett und schläft
 

Lernen wie im Schlaf

Warum guter Schlaf dein bestes Lernwerkzeug ist

Schlaf ist kein Luxus, sondern Teil des Lernprozesses. Während du schläfst, wird Gelerntes vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen – und genau das macht den Unterschied zwischen »nochmal gelesen« und »wirklich verinnerlicht«. Was das konkret für deine Prüfungsphase bedeutet, erfährst du im Interview mit Katharina Wenkoff

Dein Quick-Check: Lernen & Schlaf

  • Schlaf = Lernzeit: Erst im Schlaf werden neu gelernte Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen. Wer zu wenig schläft, kann sich Gelerntes schlechter merken.
  • Morgenstunden zählen: Zu frühes Aufstehen verkürzt genau die Schlafphasen, die fürs Gedächtnis entscheidend sind.
  • Nachholen geht kaum: Schlafmangel lässt sich am Wochenende nur begrenzt ausgleichen.
  • Abendroutinen helfen: Licht dimmen, Stress abbauen, Bildschirme rechtzeitig ausschalten – schon kleine Rituale machen einen großen Unterschied.
@kathi_wenkoff_holistic.health
Katharina Wenkoff

Katharina Wenkoff, BSc, MSc, ist wissenschaftliche Gesundheitsdozentin mit den Schwerpunkten Ernährung, Schlaf, Chronobiologie und Prävention. Sie verbindet fundiertes Fachwissen aus Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie und Ernährungswissenschaft mit langjähriger Erfahrung in der Erwachsenenbildung.
Als Dozentin, Vortragende und Autorin vermittelt sie komplexe wissenschaftliche Inhalte verständlich, praxisnah und evidenzbasiert. 

Welche einfachen Abendroutinen können helfen, besser ein- und durchzuschlafen?

Katharina Wenkoff: Hier habe ich drei Tipps:

  1. Licht reduzieren
    Unser Schlaf-Wach-Rhythmus ist stark lichtgesteuert. Helles und vor allem blaues Licht am Abend signalisiert ihm: Jetzt ist noch Tag – bleib wach – wir brauchen kein Schlafhormon!. Eine dunkle Umgebung unterstützt andererseits die Produktion des Schlafhormons Melatonin und hilft dem Körper beim ein- und durchschlafen. Deshalb: Bildschirmzeit reduzieren, gedimmtes, amberfarbenes oder indirektes Licht nutzen, Kerzen anzünden oder eine Blaulichtfilterbrille nutzen.
     
  2. Stress abbauen
    Wer mit einem Gedankenkarussell ins Bett geht, schläft oft schlechter ein. Folgende Strategien können dabei helfen, Körper und Geist zur Ruhe zu bringen:
    • Atemübungen oder geführte Meditationen
    • ein warmes Bad oder Fußbad
    • ein kurzer Spaziergang
    • ruhige Musik 
    • Aufschreiben von Gedanken und Sorgen (so sind die kreisenden Gedanken aus unserem Kopf draußen und für unser Gehirn erstmal abgeschlossen)
    • ein Dankbarkeitstagebuch kann dabei helfen, den Fokus bewusst auf positive Erlebnisse zu lenken und den Tag entspannt abzuschließen.
     
  3. Das Nervensystem gezielt unterstützen
    Gerade in stressigen Phasen können bestimmte Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein und deinen Körper auf natürliche Art und Weise unterstützen. Dazu gehören beispielsweise Magnesiumbisglycinat, die Aminosäuren Taurin und Glycin sowie Myo-Inositol. Auch pflanzliche Adaptogene wie Ashwagandha können unterstützend wirken. Ganz wichtig dabei: Lass dich vorher in der Apotheke oder von einer Fachperson beraten, was für dich passt.

Warum ist ausreichend Schlaf gerade in der Prüfungsphase so wichtig?

Katharina Wenkoff: Schlaf ist keine verlorene Lernzeit, sondern ein aktiver Teil des Lernprozesses. Stell dir dein Kurzzeitgedächtnis wie einen USB-Stick vor: Tagsüber speicherst du dort neue Infos – aber nach etwa 16 Stunden ist der Speicher voll. Im Schlaf werden diese Inhalte dann auf die »Festplatte« übertragen, also ins Langzeitgedächtnis. Das passiert nicht per Knopfdruck, sondern über mehrere Schlafphasen hinweg – und braucht Zeit. Etwa 8 Stunden sind für die meisten ein guter Richtwert.
Studien zeigen: Wer ausreichend schläft, erinnert sich am nächsten Tag deutlich besser an das Gelernte. Also lieber gezielter und effizienter lernen und den Schlaf nicht opfern.

Und kann ich fehlenden Schlaf am Wochenende nachholen?

Katharina Wenkoff: Nur bedingt. Klar, eine längere Nacht am Wochenende kann akute Müdigkeit zwar etwas reduzieren, viele Folgen von Schlafmangel lassen sich dadurch jedoch nicht vollständig ausgleichen. Dazu gehören unter anderem eine schlechtere Konzentration, eine verminderte Gedächtnisleistung und Stoffwechselveränderungen. Auch das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem profitieren deutlich mehr von regelmäßig ausreichend Schlaf als von gelegentlichem Ausschlafen.
Regelmäßiger Schlaf ist deshalb deutlich wertvoller als der Versuch, Schlaf am Wochenende nachzuholen.

Lohnt es sich in der Prüfungsphase, früher aufzustehen, um mehr lernen zu können?

Katharina Wenkoff: In den meisten Fällen: nein. Mehr Lernstunden bedeuten nicht automatisch mehr Lernerfolg. Das Problem: Wer früher aufsteht, kappt genau die Schlafphasen, die fürs Lernen am wichtigsten sind. In den frühen Morgenstunden passiert nämlich einiges:

  • Leichter Schlaf (N2): Hier entstehen sogenannte Schlafspindeln – kurze Aktivitätsmuster im Gehirn, die helfen, Gelerntes zu vernetzen und abzuspeichern.
  • REM-Schlaf: Die Traumphase. Dein Vernunftszentrum ist dabei weniger aktiv, deshalb kann dein Gehirn Infos freier verknüpfen. Kreative Lösungen und plötzliches Verstehen komplexer Zusammenhänge entstehen oft genau hier.

Mein Rat: Nicht die Lernzeit maximieren, sondern die Qualität. Wer ausgeschlafen ist, lernt effizienter, kann sich besser konzentrieren und behält mehr.

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