Welche Ängste können hinter einer Schreibblockade stecken?
Wenn du deine Blockade lösen willst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Diese drei Ängste höre ich in der Beratung am häufigsten:
»Ich habe bestimmt nicht genug recherchiert.«
Die Angst, nicht die passenden oder schlicht zu wenige Texte gefunden zu haben, gehört meiner Erfahrung nach zu den häufigsten Auslösern. Doch das Ding ist: Mehr lesen beruhigt die Angst meist nicht. Denn je länger du recherchierst, desto größer wird das Feld. Was hilft, ist deshalb nicht noch mehr Recherche, sondern eine frühere Festlegung. Verschaff dir zügig einen groben Überblick über die Literaturlage und formuliere dann eine vorläufige These, auch wenn sie sich später noch ändert. Und wenn du dann beim Schreiben merkst, dass dir für eine Aussage die Belege fehlen, dann liest du weiter. Dann aber gezielt für den Beleg der Aussage und nicht vorsorglich fünf weitere Texte. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, das Thema einzugrenzen, statt weiterzulesen. Und oft ist die Fragestellung schlicht zu groß gedacht. Ein guter Test ist dabei: Kannst du deine Fragestellung in einem Satz sagen, ohne »und« zu benutzen? Je enger die Frage, desto leichter der erste Satz.
»Was, wenn ich aus Versehen plagiiere?«
Die Sorge, unabsichtlich abzuschreiben, also Texte ohne korrekte Quellenangabe zu übernehmen, bremst viele schon beim ersten Absatz. Und da kann ich dich beruhigen: Dass du dir Gedanken über Plagiate machst, ist schon mal ein guter Anfang. Denn diese Sorge ist genau das Problembewusstsein, das dir hilft, richtig zu zitieren. Was zusätzlich hilft: Nutze von Anfang an ein Literaturverwaltungsprogramm und notiere jede Quelle sofort beim Lesen. Die meisten Fehler entstehen später, nämlich beim Wiederfinden im Zettel- und Dateienchaos. Ich spreche aus Erfahrung.
»Ich zeig das lieber erst, wenn es gut ist.«
Viele Studierende warten mit dem Nachfragen, bis sie etwas »Vorzeigbares« haben. Was ich dabei merke: Oft ist gar nicht die Frage das Problem, sondern die Scham und die Angst, dass man womöglich etwas nicht verstanden hat, dass alle anderen (vermeintlich) längst verstanden haben. Deshalb eine klare Faustregel: Wenn mehrere Tage vergehen und einfach nicht weiterkommst, geh in die Sprechstunde. Dafür ist sie da. Ein Zehn-Minuten-Gespräch klärt oft, woran du sonst noch drei Wochen sitzt. Hilfreich ist, wenn du eine konkrete Frage mitbringst: deine Fragestellung, deine Gliederung oder die eine Stelle, an der du hängst. Auch gibt es an vielen Hochschulen ein Schreibzentrum oder eine Schreibwerkstatt.